Eltern im Fokus: Verena Bentele begeistert von Projekten der Lebenshilfe

IMG 5953Staßfurt, 18.02.2015: Thomas isst gern Schnitzel. Und am Wochenende darf er sich diese auch selber braten. Das erlauben seine Eltern. Thomas ist ein ganz „normaler“ Junge, hat eine große Schwester (13) und spielt gern Volleyball. Er lebt wie jeder Elfjährige. Damit er in seiner Familie  aufwachsen kann, erhalten seinen Eltern Unterstützung  von Pädagogen und Erziehern. Denn die Eltern von Thomas haben eine sogenannte geistige Behinderung.
In anderen Orten oder Bundesländern wäre Thomas möglicherweise von seiner Familie getrennt worden und würde in einer Pflegefamilie oder einem Heim aufwachsen. Hier, in der Lebenshilfe Bördeland in Staßfurt, wird das Modell der begleiteten Elternschaft seit 2004 erfolgreich praktiziert. Das geht nur, weil alle an einem Strang ziehen: Die zuständigen Ämter und die Lebenshilfe als Träger des „Mutter/Vater-Kind-Wohnens“.
Der gute Ruf reicht längst über die Landesgrenzen hinaus.

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IMG 5992„Wir haben Anfragen aus ganz Deutschland, von Familien, Betreuern, aber auch Jugendämtern, die dieses Angebot der begleiteten Elternschaft nutzen  möchten“, erklärte Stefan Labudde, Geschäftsführer der Lebenshilfe Bördeland gGmbH. „Die Mütter und Väter müssten dann jedoch in Kauf nehmen, dass sie ihr gewohntes Umfeld, ihre Familie und Freunde verlassen müssen, nur damit die Kinder nicht von ihnen getrennt werden.“
Denn nach wie vor ist das Thema Elternschaft bei Menschen mit Behinderungen nicht nur mit Vorurteilen belastet, sondern auch im alltäglichen Leben zu wenig praktiziert. Der Lebenshilfe Landesverband Sachsen-Anhalt e.V. setzt sich dafür ein, dass sich dies ändert, nicht nur in Sachsen-Anhalt, sondern auch bundesweit und dass sich mehr Träger trauen, Projekte wie in Staßfurt zu verwirklichen.
Auf offene Ohren und großes Verständnis trifft das Thema bei Verena Bentele. Die zwölffache Paralympics-Siegerin ist seit einem Jahr Behindertenbeauftrage der Bundesregierung und besuchte am 18. Februar 2015 das Mutter/Vater-Kind-Wohnen im Salzlandkreis. „Ich bin begeistert davon, dass die Kinder hier gemeinsam mit ihren Eltern leben können –alle erhalten individuelle Unterstützung, so viel wie nötig und so wenig wie  möglich. Damit die begleitete Elternschaft für alle Menschen mit Behinderung möglich wird, brauchen wir auf Bundesebene klare Festlegungen, denn das Recht auf Familie ist ein Menschenrecht. Wichtig ist, dass wir im Rahmen eines neuen Bundesteilhabegesetzes dieses Thema mit einem Passus „Elternschaft“ regeln,“ sagt die von Geburt an blinde ehemalige Spitzensportlerin.


IMG 6005Auch die Behindertenbeauftragte sich für praktikable Lösungen im Sinne der Familien aus. Ein wichtiger Schritt dahin wäre eine Verpflichtung zur engeren Vernetzung der zuständigen Behörden. „Wir wünschen uns eine im Bundesteilhabegesetz verankerte Pflicht zur Zusammenarbeit der beteiligten Leistungsträger (Jugend- und Sozialämter), damit solche Wohnformen bundesweit realisiert werden können“, erklärte Waltraud Wolff - Vorsitzende der Lebenshilfe Sachsen-Anhalt e.V.. „Daran werden wir gemeinsam arbeiten.“